Masih tentang Bimbingan dan Konsultasi (German Edition)

In dem Kolloquium des letzten Semesters wurde mein Thema ein bisschen erweitert. Der Begriff „Sprechstunde“, den ich am Anfang benutzt habe, wurde mit Oberbegriff: „Interkulturelle Kontaktgespräche deutsch-indonesischer Interaktionen im universitären Bereich“ ersetzt, wobei aber in dem Begriff „Kontaktgespräche“ die Besprechung sowie die Beratung enthält.  „Beratung“ im Sinne Luckmann (1992)und Günthner (2001) hat asymmetrische Interaktion zwischen den Gesprächsbeteiligten und ist bereits unmittelbar sinnfällig durch die Bezeichnung „Ratsuchendr“ und „Ratgeber“ für die beiden komplementären Beteiligungsrollen. Diese asymmetrische Beteiligungsrolle manifestiert sich nach Nothdurft, Reitemeier und Schröder (1994) im Einzelnen in Differenzen im Fachwissen, im unterschiedlichen Sichtwissen auf Gegendstand der Beratung, in unterschiedlicher Distanz zum Problem, in unterschiedlicher Betroffenheit und in der Unterscheidung in den Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten.

Unter dem Begriff „Beratung“ bzw. „Beraten“ definiert Nothdurft als „einen komplexen Zusammenhang aufeinander abgestimmter und sequentiell organisierter Aktivitäten mindestens zweier Individuen“. Nothdurft erläutert, dass Beratungs- sowie Sprechstundengespräche haben meistens folgende Gesprächszwecke: fachliche Unterstützungswünsche (Literaturhinweise erbitten, fachliche Rückfragen zu Veranstaltungsinhalten, fachliche Vertiefungsgespräche), bewertungsbezogene Inhalte (Klärungen von Anforderungen an eine Hausarbeit, Nachbesprechung einer Leistungsnachweisarbeit, Vorbesprechung von Fachprüfungen), kooperationsbezogene Klärungen (Kontakt- und Imagepflege vor einer Prüfung, Nachbesprechung einer Prüfung), studienorganisatorische Zwecke (Auskunft einholen, Unterschriften holen, Anmeldungen), Ratschläge/Beratungen (Sprechen über Studienprobleme, Prüfungsprobleme, Ratschläge bzw.Beratung zum Studiengangwechsel), karrierebezogene Anliegen (Bitte um Gutachten, Bewerbung zur studentischen Hilfskraft, Fragen nach Master- und Promotionsmöglichkeiten).

Anhand der möglichst  vorherigen Erfahrung der deutschmuttersprachlichen Dozenten haben sie wahrscheinlich andere Vorstellung über Sprechstunde sowie Beratungsgespräch in Indonesien, die völlig anders manifestiert sind. Dazu komme ich zu meinen Fragestellungen, und zwar:
Wie werden deutsch-indonesische Kontaktgespräche aufgebaut? Welche Rolle spielen sprachliche Mittel bei dem Verständigungsprozess der deutsch-indonesischen Kontaktgespräche? Welche problempotentiellen Faktoren kommen in den deutsch-indonesischen Beratungsgesprächen vor? Welche Rolle spielen die unterschiedlichen kulturspezifischen Wissensbestände und Erwartungen?
Die Fragestellungen sollen dazu dem Zweck dienen, die Besonderheiten und die Problempotentiale der deutsch-indonesischen Interaktionen im universitären Bereich aufzudecken.

Gesprächslinguistisches Verfahren sowie die Theorie der kommunikativen Gattung sollte als theoretische Rahmen meiner Arbeit gelten, in dem ich die Daten anhand der auftauchenden Phänomenen im Gespräch und im umfassenden Kontext analysieren werde. Der Forschungsstil bzw. –aufbau sowie das Analyseverfahren werden mit folgenden methodischen Schritten erfolgt, in dem ich erst einmal die Situationen aufgenommen (Video mit zwei Kameras, Audio mit einem Aufnahmegerät) und meine Rolle als Teilnehmerin und auch gleichzeitig als Beobachterin von dem ganzen Interaktionsprozess benutzt habe. Diese teilnehmende Beobachtung ermöglicht die Mitwirkung der gesamten Interaktion. Interview und Fragebogen sollten für die Bereicherung der Daten gedacht werden, um den Feedback zu bekommen, da man sich mit der „schon passierten“ Interaktion mehr oder weniger distanziert und hoffentlich andere Blickwinkel gebaut hat. Die aufgenommenen Daten werden danach transkribiert und kategorisiert.  Durch sequentielle Analyse der Videosequenzen wird die zeitliche Strukturierung der aufgenommenen Gespräche nachvollziehbar erfasst und die kommunikativen Aktivitäten in jeden Gesprächen  rekonstruiert. Damit sind die Daten ausgewertet und analysiert.

Es entstand schon unterschiedliche Forschungen über das Thema Kontaktgespräche in dem Sinne „Beratung“ und „Besprechung“ in Deutschland. Man kann an die Arbeit von  Schwedhelm:2009 über rekonstruktiven Analysen  von interkulturellen Beratungsgesprächen in Uganda, von House, Levy:2008 über universitären Kontaktgespräche als interkulturelle Kommunikation; die Arbeit von  Meer:2003, 2001 über Sprechstundengespräche sowie von Boettchert, Meer:2000 anlehnen. Das Thema wurde auch von  Nothdurft, Reitemeier, Schröder: 1994; Nothdurft: 1994; Rost-Roth: 2003, 2002,1994 thematisiert.

Über deutsch-indonesische Kommunikation bzw. Interaktion beschäftigen sich Ulrike Schwegler (2008) Vertrauen zwischen Fremden: Die Genese von Vertrauen am Beispiel deutsch – indonesischer Kooperationen und Peter Kistler (2004) Die interaktive Produktion von Formalität und Informalität, in derer Arbeit das Thema mit der Text- sowie Gesprächsanalyse erfolgt ist.

In dem indonesischen Kontext und Gespräch sind die Kontaktgespräche in dem Sinne Besprechung und Beratung nicht so streng wie die in dem deutschen Sinne aufgebaut. Nach der vorläufigen Beobachtung kann die Kontaktgespräche so aufgebaut: Vor der Unterrichtsituation (nur ganz selten), während der Unterrichtssituation (während die Lehrende die Arbeitsgruppe kontrollieren, passieren oft) oder nach der Unterrichtssituation (am meistens). Ziel der Kontaktgespräche sowie die Themen, die sie zu dem Gespräch gekommen sind, sind meistens die Besprechung der Abschlussarbeit oder Hausarbeit, meistens über akademische Probleme (mit indonesischen Lehrenden) und über studienorganisatorische Zwecke (Auskunft einholen, Unterschriften holen, Anmeldungen, Frage nach Exkursion, etc.)

Wenn man über Indonesien spricht, dann ist es problematisch zu definieren, was man eigentlich über Indonesien verstehen will. Über welches Indonesien spricht man? Auf Grund dieser Problematisierung habe ich mich für Feldzugang und Auswahl der Gespräche auf Java entschieden, da:
a.    Deutsche Muttersprachler (DAAD Lektoren) befinden sich nur auf Java.
b.    2 Universitäten in Jakarta (UI und UNJ) sind multikulturell, 2 weitere Universitäten (UNPAD und UM) sind relativ monokulturell.
c.    Universitas Indonesia und Universitas Padjadjaran bieten reine Germanistik bzw. Deutsch als Studienfach an.
d.    Universitas Negeri Jakarta und Universitas Negeri Malang  sind pädagogische Hochschulen und haben traditionell ein eher lehrerbildendes Profil.

Anhand dieser Uberlegungen sind folgende Materialien erhoben:
1. Deutschabteilung Universitas Padjadjaran, Bandung:
– Prüfungs- und Sprechstundensituationen (Video) : 2 Stunde 30 Minuten à Brauchbar im engeren  Sinne: 1 Std
– Unterrichtssituation: 7 Stunden 22 Minuten
– 1 Sprechstundengespräch(mit Deutschlektorin ) (ca. 2 Stunden) à Brauchbar im engeren Sinne: 2 Std
2.  Deutschabteilung Universitas Indonesia, Jakarta
– Unterrichtssituationen (mit Besprechung) : 5 Stunden 18 Minuten àBrauchbar im engeren Sinne: 30 Min
–  1 Interviews (Video) auf Indonesisch (mit 5 Studierenden)
– 1 Interviews (Audio) auf Deutsch (mit Dozentin)
3.  Deutschabteilung Universitas Negeri Jakarta
– Unterrichtssituationen (mit Besprechung): 3 Stunden 42 Minuten à Brauchbar im engeren Sinne: 30 Min
– 1 Interview (Audio) mit Dozentin auf Deutsch
– 1 Interviews (Video) auf Indonesisch (mit 5 Studierenden)
4.  Deutschabteilung Universitas Negeri Malang
– Unterrichtssituationen (reine): 5 Stunden 01 Minute.
– 1 Interviews (Ton) auf Indonesisch (mit Studierenden)

Die Daten sind nicht unproblematisch erstellt, wobei  Bürokratie (schriftlich offiziell), kein Erlaubnis von indonesischer Seite, technische Probleme (Stromausfall, nur eine Steckdose, u.a), Millieu (zu laut, Raum zu klein für 40 – 50 Leute), Zeit: Semesteranfang , keine bestimmte Sprechstundenzeit bzw. Orte, knappe Zeit zum Raumwechsel  für Probleme der Datenerhebung eine Rolle spielten. Deshalb habe ich die Daten mit noch keiner guten Aufnahmequalität (laute Nebengeräusche, Störungen, etc.) und auch aus diesem Grund sind die Daten noch ungenugend für die Analyse. Dazu habe ich vor, die zweite Datenerhebung in Indonesien zu machen. Um den Prozess der Interaktionen kontrastiv zu analysieren, sind die Aufnahme von indonesisch-indonesischen Gesprächen in Indonesien und indonesisch-deutschen Gesprächen in Köln, Bonn, Passau geplant. Danach werden die Evaluierung und Triangulation der Arbeit erwartet.

Bayreuth, 010610

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